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Next Generation: Die Nexties von MED4HOPE

Die Straße ist ihr Lernort, Notquartiere sind ihre Lehrordination: Eine wachsende Gruppe von Medizinstudierenden - die Next Generation - lernt bei MED4HOPE, was Straßenmedizin in der Praxis bedeutet. Geleitet wird die Ausbildungsgruppe von Iris Brunner und Ramona Afzali, den Gründerinnen der Next Generation bei MED4HOPE.

Über verschiedene Wege - Universität, Fortbildungen, Workshops - erwerben die Studierenden theoretisches, straßenmedizinisches Wissen. Bei MED4HOPE geht es dann in die Praxis: Die Nexties begleiten Straßenrunden und besuchen Patient:innen in Notquartieren. Dabei lernen sie zum Beispiel Priorisierung, Improvisation und einen sensiblen Umgang mit traumatisierten Patient:innen.

Entscheidend ist jedoch die Kommunikation:
„Ärztliche Gesprächsführung ist das Wichtigste in der Straßenmedizin“, betont Iris.
Ramona ergänzt: „Und zu verstehen, wie soziale Faktoren unsere Gesundheit beeinflussen, ist hier auch Teil des Lernens.“

Nextie werden

Die Einarbeitung verläuft routiniert: Nach der Kontaktaufnahme erhalten interessierte Studierende den Next-Generation-Guide mit allen wichtigen Informationen. Bei weitergehendem Interesse ist eine Hospitation möglich, die drei begleitete Einsätze bei MED4HOPE und weitere Theorievermittlung vorsieht. Danach beginnt die eigenständige Tätigkeit als Straßenmediziner:in.

„Medizinstudierende können sich sehr schnell in neue Abläufe einarbeiten“, sagt Iris, „zumal sich die Ärzt:innen bei MED4HOPE über unser Interesse freuen und uns so gut wie möglich unterstützen. Ein sicherer Umgang mit verschiedenen Situationen dauert natürlich etwas länger, das erfordert Zeit und Erfahrung. Aber man ist dabei nie allein.“

Während und nach der Einarbeitung gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Austausch und zur Reflexion persönlicher Erfahrungen, etwa Supervision, Balintgruppen oder Kontakt mit ehrenamtlich tätigen Psycholog:innen.

Derzeit engagieren sich 40 Studierende in der Next Generation. Sieben haben die Hospitation und Theorie abgeschlossen, andere folgen schrittweise, je nach verfügbarer Zeit. Aufgrund der Besonderheiten von Straßenmedizin sind manche anfangs noch etwas zurückhaltend, andere sammeln erste Eindrücke.

Alle eint aber eine gemeinsame Haltung:
„Respekt vor wirklich allen Menschen“, sagt Ramona, „egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, Religion.“ „Nexties trauen sich, über den Tellerrand zu schauen“, so Iris. Empathie, Menschlichkeit, Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit und für eigene Privilegien seien hier besonders gefragt.

Warum Straßenmedizin?

Praktische Erfahrungen in der Straßenmedizin schärfen den Blick für soziale Ungleichheiten im Gesundheitssystem. „Ein guter Arzt kennt die Lebenssituation der Patient:innen und kann entsprechend reagieren“, sagt Iris. Wer die Lebensrealitäten von Patient:innen mit und ohne Obdach kennt, kann nachhaltiger behandeln - und entlastet langfristig auch Notaufnahmen.

Straßenmedizin unterscheidet sich von klassischer Klinikmedizin: Weniger Ressourcen, mehr Improvisation, ein gewisser Pragmatismus. Vor allem aber lebt diese Medizin vom Gespräch. 

„Erst, wenn ich einen echten Zugang zu den Menschen habe, wird auch eine Behandlung möglich“, sagt Iris. Ramona betont: „Den Patient:innen zu vermitteln, dass sie respektiert werden und ein Anrecht auf Gesundheit haben, ist gerade hier von sehr hoher Bedeutung.“ Die Nexties tragen dieses Wissen weiter - in die Medizin, in den Klinikalltag, und an ihre zukünftigen Arbeitsplätze.

Versorgungslücke vs. Menschenrecht

Die Ausbildung der Nexties ist nicht nur ein Lernprojekt - sie ist auch eine Antwort auf ein strukturelles Problem. Ohne straßenmedizinisches Wissen werden obdachlose Menschen nicht angemessen behandelt oder fallen ganz aus der Versorgung heraus. Und wie bei anderen Patient:innengruppen gilt: Die frühzeitige Erkennung und Behandlung an sich vermeidbarer Krankheiten beugt Chronifizierung vor - und damit einer vermeidbaren Belastung des Gesundheitssystems.

„Die Diskriminierung obdachloser Menschen führt in Österreich dazu, dass diese Menschen zu spät Hilfe suchen oder diese sogar ablehnen“, sagt Ramona. Zwar seien in Wien bereits viele niedrigschwellige, medizinische Angebote etabliert, doch „Gesundheit als universales Menschenrecht ist hier leider noch keine Realität. Daher muss vor allem die Ärzt:innenschaft sich um eine gelebte, solidarische Medizin bemühen.“ Eine strukturelle Versorgungslücke gefährdet Gesundheit und Würde der Betroffenen - aufsuchende Straßenmedizin schließt sie.

MED4HOPE als Lernort

Warum bei MED4HOPE lernen? „Weil alle hier für die Straßenmedizin brennen. Den Ärzt:innen liegt diese Arbeit und die Patient:innen sehr am Herzen - das spürt man bei Einsätzen genauso wie bei dem regelmäßigen Austausch“, so Iris.

Die Next Generation zeigt: Engagement ist keine Frage des Alters. Und Straßenmedizin ist mehr als Behandlung - sie ist Begegnung, Respekt und Verantwortung. Genau dort, wo sie gebraucht wird.

Next Generation: Die Nexties von MED4HOPE

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